Samstag, 30. März 2013
One year in 10 minutes
Samstag, 16. März 2013
Sie fehlt mir...
Elle me manque...
I miss her...
Ein großer
Topf Milchreis, dutzende Pfannkuchen mit Pflaumenmus, ihr berühmter
Bienenstich oder ein einfacher Napfkuchen...
Die
gemeinsamen Gespräche, die unzähligen Stunden, in denen wir in alte Zeiten und
Geschichten eintauchten...
Ihre Selbstdisziplin: Bis ins hohe Alter verrichtete sie täglich
ihre morgendliche Gymnastik.
Die Spaziergänge im Rollstuhl, die Kaffeekränzchen im Garten und der
Tanz mit ihr auf der Goldenen Hochzeit ihres Sohnes...
Zufriedenheit
war ihr immer das Wichtigste. Eine Frage, die sie uns immer stellte, war, ob
wir zufrieden seien. Zufrieden, dort, wo wir sind und mit dem, was wir
machen.
Ich bin zufrieden und dankbar. Dankbar für die Zeit und die
gemeinsamen Momente mit ihr. Zufrieden, Oma Frieda gekannt zu haben.
Donnerstag, 21. Februar 2013
Colombia revisited I
Verkehr, Straßen und öffentliche Fortbewegungsmittel
La circulation, les routes et le transport public en Colombie:
Gleich bei meiner Ankunft hab ich auf dem Weg vom Flughafen zur Wohnung eine Einführung in das Straßensystem
(Schachbrettmuster mit Nummern anstatt Straßennamen) und die
Fahrweise in Bogotá bekommen. Stets weicht man teilweise
beträchtlichen Schlaglöchern aus. Angeschnallt wird sich nur
vorne, geblinkt wird auch nur selten. Trotzdem verläuft alles
stressfrei, niemand hupt und drängelt. Zum Thema Verkehr gibt es
sowieso viel zu sagen. Die Stadt ist so riesig (9 Mio. Einwohner),
dass für einen Außenstehenden ein unglaubliches Gewusel herrscht. Um in Bogotá von A nach B zu begeben braucht man - besonders zu den Stoßzeiten - Zeit, Geduld und gute Nerven. Nach 3,5 Monaten war es für mich oft einfach nur noch anstrengend. Um das
Verkehrssaufkommen in der Stadt zu senken gibt es autofreie Tage
(zumeist Sonn- und Feiertage) und regelmäßige Fahrverbote (pico
y placa), die sich nach der letzten Ziffer der
Nummernschilder richten. So haben also regelmäßig alle Autos mit
einer ungeraden Endziffer an mehreren Tagen in der Woche
Fahrverbot und an anderen Tagen, diejenigen mit einer geraden
Endziffer, was teilweise dazu führt, dass sich Leute zwei Autos
anschaffen. Die Stadt ist voller Leben. Überall gibt es kleine
Läden und Stände, die alles Mögliche (aber vor allem Snacks und Essen)
verkaufen.
Juste après mon arrivé en Colombie, j'ai reçu une introduction à la façon de conduire et comment la circulation fonctionne à Bogotá. Tout le temps, il faut éviter les (énormes) nids de poule. Les passagers ne mettent pas forcément la ceinture. Le conducteur clignotte rarement. Pourtant tout se passe sans stress. Personne ne claxonne. Encore en Colombie, je me suis dit que la circulation vaut bien un article entier sur mon blog. La ville est gigantesque (9 millions d'habitants). Par conséquent, il y a toujours du monde partout. Pour aller de A à B il faut toujours du temps et de la patience surtout lors des heures de pointe. Afin de réduire la circulation il y a des 'jours sans voiture' (souvent des dimanches ou d'autres jours féries) et de réguliéres défense de conduire pour certaines voitures en fonction du dernier chiffre sur la plaque (les jours de pico y placa). Ainsi, plusieurs jours par semaine, on ne peut pas conduire pendant les heures de pointe.
Ça monte beaucoup. La plupart des gens vit dans les Andes. Il se peut alors que les les trajets durent longtemps parfois.
Es ist ziemlich bergig. Die meisten Menschen leben in den Anden. Daher dauern die Fahrten oft sehr lange.
Tout passe par la route. Il n'y a pas de chemins de fer, ni de fleuves naviguables. Donc, tous les biens doivent être transportés par les routes qui, très souvent, sont en lacets. Par conséquent, des manoevres de dépassement parfois dangereuses sont inévitables lorsque l'on est derrière un gros camion - surtout en allant à Medellín (8 heures de route pour 400 km).
Alles geht über die Straße. Es gibt keine Eisenbahnstrecken und quasi keine schiffbaren Flüsse. Also müssen alle Güter auf der Straße transportiert werden, die sehr oft serpentinenreich sind. Demzufolge sind teilweise gefährliche Überholmanöver unvermeidlich, wenn man hinter einem riesigen Truck fährt - vor allem wenn man unterwegs nach Medellín ist (8 Stunden reine Fahrtzeit für 400 km).
Anschnallpflicht? - Fehlanzeige!
In einem Taxi: 4 Erwachsene und zwei Kinder auf der Rückbank, zwei Erwachsene auf dem Beifahrersitz und ein Taxifahrer = 9 Personen
Taxifahren ist äußerst günstig in Kolumbien. Es gibt Zehntausende kleiner gelber Taxis in Bogotá.
Mise de ceinture obligée? - Loin de là!
Dans un taxi: 4 adultes et deux enfants derrière, deux adultes sur le siège du passager et le chauffeur de taxi = 9 personnes
Les taxis ne sont pas chers du tout en Colombie. Il y a des dizaines de milliers de petits taxis jaunes à Bogotá.
Das öffentliche Verkehrsmittel schlechthin ist jedoch der Bus. Es gibt grob gesagt drei verschiedene Bustypen:
Pourtant, le moyen de transport public est le bus. Il y a en gros trois types de bus différents.
Die TransMilenio-Busse funktionieren eine Straßenbahn funktionieren - mit festen Stationen und eigenen
Fahrbahnen.
Les TransMilenios fonctionnent comme un tram avec des voies exclusives et des arrêts fixes.
Dann gibt es die unzähligen Busetas, die
privat betrieben werden und nur auf Zuruf halten. Man muss schon etwas ortskundig sein, um die bunten Schilder mit der groben Route zu durchschauen. Eine Fahrt kostet rund 0,60 €. Viele meiner Kolleginnen kamen jeden morgen mit der Buseta zur Arbeit, in der sie teilweise eine Stunde lang saßen oder standen. Außerdem gibt es
noch die Bicitaxis für Kurzstrecken oder als Zubringer zu
den großen TransMilenio-Stationen.
Et puis, il y a d'innombrables Busetas qui sont privés et qui ne s'arrêtent que quand on leur fait signe. Un aller simple (n'importe où) coûte environs 0,60 €. Beaucoup de mes collègues venaient à l'école chaque matin en Buseta. Parfois, elles y passaient une heure ou plus dedans. A part cela, il y a aussi des Bicitaxis pour les petits trajets, par exemple pour aller à la prochaine station de TransMilenio.
Schließlich gibt es noch die zahlreichen Überlandbusse, die einen für wenig Geld in teilweise weit entfernte Städte bringen. Von Bogotá nach San Gil (400 km und 7 Stunden Busfahrt) zahlte ich beispielsweise nicht mal 20 €. Das Foto zeigt einen nicht ganz offziellen Haltepunkt, an dem man noch in die verschieden Busse einsteigen kann. Es gibt am Straßenrand so eine Art 'Marktschreier', der im Voraus die einzelnen Destinationen ankündigen (Chia, Chia, Chia, Chia!).
Enfin, il y a aussi des bus pour les grandes distances. De Bogotá à San Gil (400 km et 7 heures de route) je payais par exemple 20 €. La photo montre un arrêt un peu inofficiel où l'on pouvait encore monter dans les différnents bus. Au bord de la route il y avaient des sortes de 'bonimenteurs' qui annoncaient les destinations en avance (Chia, Chia, Chia, Chia!).
Auch das gehört zum typischen Straßenbild in Bogotá. Eine Stadt voller Gegensätze!
Ça aussi fait partie du paysage urbain à Bogotá. Une ville de contrastes.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Books, books, books...
Swetlana Geier: Ein Leben zwischen den Sprachen. Aufgezeichnet von Taja Gut, Frankfurt am Main ²2012.
Das Buch vereint eine Reihe von Interviews (1986-2007), die der Herausgeber mit Swetlana Geier führte. Swetlana Geier (1923-2010) hat u.a. Sinjawskij, Tolstoj, Solchenizyn, Belyj und Bulgakow ins Deutsche übertragen. Für ihr Werk, das sie mit der Dostojewskij-Neuübersetzung krönte, wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Nicht zuletzt setzte ihr Vadim Jendreyko mit "Die Frau mit den 5 Elefanten" auch ein filmisches Denkmal. In den Gesprächen schildert Swetlana Geier ihre bewegte Lebensgeschichte mit unglaublichen 'Zufällen':
"Zwei totalitäre Herrschaftssysteme unterwerfen sich den Kontinent [...]. Das alles scheint lange her und ist doch gegenwärtig in dieser Frau, die mitten hineingeboren worden ist in jene Zeit und in eine Gegend, die im Kreuzungspunkt der Schreckensherrschaften lag: ein Mensch, ein Kind, ein Mädchen mit seinen Sehnsüchten und Ängsten, seinem Anspruch auf Leben und Entfaltung, seinem unbegreiflichen Wollen.
Swetlana Michailowna Iwanowa [...] hat noch bevor sie zweiundzwanzig war, beide Systeme in ihrer ganzen Barbarei erfahren. Dass sie dennoch, wie im Märchen, heil durch Hungersnot, stalinistischen Terror (dem ihr Vater erlag), Krieg, Flucht und Gestapo-Verhöre hindurchfand, dass sie während des Zweiten Weltkriegs als russische Ostarbeiterin in Deutschland von Deutschen aus dem Arbeitslager befreit wurde, eines der renommiertesten Stipendien erhielt und [in Freiburg] studieren konnte, bleibt ein Wunder. Das Wunder hat Gestalt und Namen, viele Gestalten und Namen: Menschen, die sich immer wieder selbstlos für sie einsetzten, ihr halfen, sie retteten. Ihnen, die Swetlana Geier im Gespräch dankbar würdigt, ist dieses Buch gewidmet." [Auszug aus dem Vorwort, S. 7f.]
Im weiteren Verlauf des Buches geht Swetlana Geier auch auf ihre Tätigkeit als Übersetzerin ein. Sie erklärt ihr 'Geiersches Gäbelchen', ihre Auffassung von Literatur, von Übersetzung etc. Auf die Frage, was ihre Übersetzungstheorie sei, antwortet sie:
"Wahrscheinlich habe ich eine; jedenfalls muss ich irgendetwas vertreten, wenn ich mit Studenten arbeite. [...] Ich habe eben eine ganz deutliche Vorstellung von dem, was das Ganze ist. Ferner befolge ich den Grundsatz, dass man vom Ganzen ins Einzelne geht, wie dickleibig das Ganze auch sein mag, und nicht umgekehrt. Und dann kommt das Handwerk mit seinen elementaren Regeln - dass man nicht anfangen darf, bevor man den Text nicht ungefähr auswendig weiß, dass man irgendwie seinen Pulsschlag hören muss [...]. Und alles andere sind dann ganz banale Anhaltspunkte: dass die Syntax beibehalten werden soll, so gut es geht; dass nichts ausgelassen wird; dass die Sätze alle stimmen und dass man den Text insgesamt - und wenn es 800 Seiten sind - so gut kennt, dass man, wenn auf Seite 130 ein Scheit Holz in den Kamin kommt, das auf Seite 625 noch weiß. Und das im Detail und in umfassenden Strukturen." [158f.]
Nach der Jesuitin von Lissabon - mein zweiter historischer Roman von Titus Müller. Pünktlich zum 100. Jahrestag des Untergangs der Titanic erschien dieses Werk, in dem der Autor erstmals ganz neuzeitliches Terrain betritt. Mir gefällt besonders, dass das Buch nicht die x-te Version eines kitschigen Titanicromans ist. Es geht eben nicht (vorrangig) um eine Liebesgeschichte auf dem Luxusdampfer. Vielmehr zeichnet Müller ein facettenreiches Portrait der wilhelminischen Gesellschaft am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Natürlich war die Titanic ein Abbild der damaligen sozialen Verhältnisse. Jedoch bindet der Autor die Titanic eher in den Kontext des Wettrüstens zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien ein. Der Titanic-Teil ist dann auch relativ kurz. Die Handlung spielt vor allem in Berlin. Die Stadt bildet eine Art 'Klammer' um den Titanic-Handlungsstrang.Wieder besticht das Buch durch seinen informativen und konzisen Anhang.
Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Handlung nach dem Untergang stark gerafft wird. Das ist mir schon bei der Jesuitin von Lissabon aufgefallen. Kaum ist der Dampfer untergegangen, gibt es riesige Zeitsprünge. Die Handlung wird relativ schnell zu Ende erzählt, die Ereignisse überschlagen sich förmlich. Ich weiß nicht, ob das ein Stilmittel sein soll. Oder vielleicht durfte der Roman 400 Seiten nicht überschreiten.
Für alle, die sich für die Geschichte Kolumbiens interessieren. In Comic-Form und mit leicht verständlichen Texten ist es genau das richtige für mich. Es fängt mit den 'Großen Entdeckungen' an, beschreibt dann das koloniale Zeitalter und schließlich den turbulenten Weg bis zur Unabhängigkeit. Ganz interessant finde ich, dass die Perspektive der indigenen Bevölkerung nicht vernachlässigt wurde. Ab und an taucht als eine kleiner Indianer auf und stellt gewisse Annahmen richtig, z.B. dass es sich ja bei der Vorstellung von der 'Neuen Welt' um ein europäisches Konzept handelt.
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